Stellungnahme des Klaus-Hemmerle-Werks e. V.

Stellungnahme des Klaus-Hemmerle-Werks e. V. zur Veröffentlichung des Gutachtens „Sexueller Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker im Bereich des Bistums Aachen im Zeitraum 1965 bis 2019“.

Am 9. November 2020 ist das genannte Gutachten der Kanzlei Westphal, Spilker und Wastl veröffentlicht worden (abrufbar unter diesem Link: https://westpfahl-spilker.de/wp-content/uploads/2020/11/Gutachten_Bistum_Aachen.pdf). Der Vorstand des Klaus Hemmerle-Werks e. V. bezieht im Folgenden Stellung anlässlich der Veröffentlichung dieses Gutachtens:

Wir sind erschüttert von dem unsäglichen Leid, das viele Betroffene sexualisierter Gewalt im Bistum Aachen erleben mussten, und von dem, was das Gutachten an Tun und Unterlassen Klaus Hemmerles in seiner Verantwortung als Bischof benennt.

Entschieden solidarisieren wir uns mit den Betroffenen.

Wir verpflichten uns darauf, unsere Arbeit und unsere Haltung als Klaus Hemmerle-Werk zu hinterfragen und dort zu verändern, wo es im Sinne der Betroffenen und Überlebenden sexualisierter Gewalt angezeigt ist.

So lösen die Erkenntnisse rund um die Aufdeckung sexualisierter Gewalt und ihrer Vertuschung in kirchlichen Kontexten einen Prozess im Klaus-Hemmerle-Werk aus, der zu einer neuen kritischen Auseinandersetzung mit dem Werk und Wirken Hemmerles führt, in der wir zunächst mehr Fragen als Antworten haben:

  • Wie ist das Werk Hemmerles mit dessen eigenen Haltungen und Handlungen verstrickt, die ihren Anteil an der Vertuschung sexualisierter Gewalt hatten?
  • Wie sind wir in unserer Arbeit am Erbe Hemmerles geprägt von einem eingeschränkten Blick auf ihn und sein Werk? Welches Bild von Hemmerle als Bischof, als Theologe tradieren wir? Welche Bilder vom Bischofsamt, vom Priester, von der Kirche und vom Volk Gottes prägen unser Handeln?
  • Was sind im Werk Klaus Hemmerles und seiner Rezeption blinde Flecken: im Priester- und Frauenbild, in seinem Verhalten als Teil der Hierarchie, in seiner Auseinandersetzung mit Bösem?

Sicher sind wir uns hingegen in einem wesentlichen Punkt: Wir wollen und werden die Verantwortung für das geistige und geistliche Erbe Klaus Hemmerles in all seinem Reichtum, aber auch in all seinen Ambivalenzen und Schattenseiten auf uns nehmen.

Unser Ziel ist ausdrücklich nicht der institutionelle Selbsterhalt unseres Vereins oder Schaden vom Bild Klaus Hemmerles oder vom Bischofsamt fernzuhalten, sondern die Aufklärung und verantwortungsvolle wissenschaftliche Weiterarbeit mit dem und am Erbe Klaus Hemmerles.

Wir denken, dass sich aus unserer kritischen Beschäftigung mit Hemmerles Werk und Wirken ein Generationengespräch entwickeln kann, durch das für den Missbrauch von Macht anfällige Bilder und Strukturen erkannt werden können. So wollen wir verstärkt unseren Blick auf jenen Anteil richten, den theologische Diskurse an verhängnisvollen Idealisierungen und an der Vertuschung von Gewalt in der Kirche haben.

Dabei setzen wir auf Transparenz und Mitsprache und wollen Beteiligung ermöglichen. Als einen ersten konkreten Schritt bieten wir Folgendes an: Wenn Sie diese Stellungnahme gegenüber dem Vorstand des Klaus-Hemmerle-Werks kommentieren möchten, finden Sie eine Ansprechperson in Mirjam Gödeke (goedeke@klaus-hemmerle.de) sowie in Andree Burke (burke@klaus-hemmerle.de). Wir werden Ihren Kommentar im Vorstand des Klaus-Hemmerle-Werks thematisieren und Ihnen antworten.

Über weitere Schritte werden wir Sie auf dieser Seite informieren.

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