Und das Wort ist Kind geworden

[57] Die gläserne Stadt

Den Aachener Dom hat vor 1.200 Jahren Karl der Große gebaut nach dem Modell und Maß des himmlischen Jerusalem, das am Ende vom Himmel hernieder steigen wird – sozusagen als „Endprodukt“ der Weihnacht. Leo der Große hat gesagt, die Engel hätten „Gloria“ und „Pax in terris“ gesungen, weil sich diese himmlische Stadt seit Weihnachten aus vielen Völkern bildet.

Von dieser Stadt wird uns in der Heiligen Schrift ein Dreifaches gesagt:

In dieser Stadt ist alles durchsichtig, alles aus Glas, alles Straße, Kontakt, Verbindung.

In dieser Stadt, das ist das zweite, gibt es keine Lampen und keine Sonne; denn Gott und das Lamm ist ihr Licht.

Und schließlich noch ein drittes: Es gibt auch keine Kirche, keinen Tempel mehr dort; denn alle wohnen in Gott.

Darauf kommt es an, das fängt an Weihnachten an: Wir sehen einander ins Herz, wir sind durchsichtig, nicht in einem kalten Licht, sondern im warmen Licht der Liebe, im warmen Licht des Lammes, des Menschensohnes, des Gottessohnes. Die Dinge sind nicht nur, wie sie sind; die Dinge sind, wie sie geliebt sind. Wir wohnen bei-[58] einander in Gottes Ja, in unserem gegenseitigen Ja. Wir wohnen beieinander in der neuen Stadt. Sie ist das Weihnachtsgeschenk Jesu an uns, aber wir können dieses Geschenk nur sehen, wenn wir es einander zeigen, eröffnen, schenken.1


  1. Weihnachtspredigt, gehalten am 25.12.1978 im Aachener Dom. ↩︎