Erste Überlegungen zu möglichen Themen für den Dresdener Katholikentag

Das erste Motiv: Pater noster

Cyprian sagt, daß der Lehrer des Friedens und Herr der Einheit – das ist für ihn ein Titel Jesu – nicht wollte, daß wir nur als einzelne und privat beten, als ob jeder für sich selber betete. Vielmehr sei es so, daß der Lehrer der Einheit und Meister der Einmütigkeit, der uns die Einheit lehrt, wollte, daß wir für alle bitten, wie er in seiner einen Person alle in sich trägt. Das ist ein ganz ungeheurer Satz, dessen Bedeutung wir ermessen können, wenn wir auf seinen Einstieg achten. Cyprian sagt, es heiße nicht mein Vater, sondern unser Vater. Warum? Weil Jesus in sich nicht nur eine Person ist. Sondern indem er Mensch wird, greife er nach Dir und mir und nach jedem und trage ihn in seinem einen Schicksal mit. Es gibt ein einziges Schicksal Jesu, es ist das Schicksal aller Menschen. Es gibt eine einzige Menschheit Jesu und darinnen [46] macht er sich zum Bruder aller und lebt aller Schuld und Last mit und gibt alles dies dem Vater anheim. Deswegen kann der Mensch durch Jesus allein zum Vater beten, aber wenn er durch Jesus zum Vater betet, dann kann das Ich zwar als Ich beten, aber nie als Ich allein, sondern dann sind die anderen unteilbar mit drin. Der Akt, durch den er uns mit dem Vater versöhnt, ist zugleich der Akt, durch den er uns alle zusammengreift und miteinander eint. Und deswegen heiße es: Vater unser.

Das ist also die Basis, auf der die Vaterunser-Erklärung steht. Das ist einfach ein neues Denken gegenüber einem bloß individuellen Denken. Es schließt das individuelle Beten nicht aus, durchaus nicht, aber wo dieses sich in sich selbst verschließt, so daß Menschen nur zur Summe werden, da haben sie das Entscheidende nicht verstanden: sie sind schon eins in ihm.