Franz von Baaders Philosophischer Gedanke der Schöpfung

Das Gefüge der Logik des Geschehens

Schaut man die Verborgenheit des Müssens in der reinen Vertrautheit, den bedrängenden Anspruch des Sollens im Wählenmüssen der Situation des zum Wesen nachträglichen, gemußten Daseins, den freien Ursprung des Müssens im leitenden Vorsatz des gesollten Wesens und seine befreiende Erfüllung im vollbrachten Vollzug zusammen, so fügt sich von selbst die Logik des geschehenden Geistes.

Das, was wir sind, liegt unserem Uns-Finden im Dasein voraus, ist all unserem Vollbringen und Entscheiden vorgängig zugegen. Doch ist unser Wesen als vorgängiges Vertrautsein in seiner Geschlossenheit und Ruhe in sich selbst nicht schon die eigentliche Quelle der Geschichte unseres Seins, sondern bereits erster, wenn auch wesentlicher Ausfluß, erste, wenn auch unablöslich gleichzeitige Fassung dieser Quelle. Was wir sind, weist zurück in sein leitendes Damit und ist so er erste Zielentwurf unseres Seins, seine vorgängige Fassung in das, was sein ganzes Geschehen durchwesen und durchwalten soll.

Wo wir mit unserem Dasein in diesem Wesen noch geborgen innestehen, aufgehoben in seine Vertrautheit, da leben wir in der Vorwegnahme des Zieles, seines gemußten Maßes – alles ist, was es ist –, und gerade deshalb tritt kein Müssen und Sollen und keine Differenz hervor.

Und doch ist dieses volle Maß des Zieles nur deshalb in die Helle unseres Wesens vorweggefaßt, damit es sich geschehend aus uns selbst im Ja einhole, im Vollbringen wiederhole. Weil es dieses soll, „muß“ sich die Spannung des Anfangs aufs volle Ende hin aus ihrer ersten Fassung in den Entwurf wieder lösen, muß der Vollzug umschlagen aus der Vertrautheit in eine tiefere Fassung: in die Unterwerfung unter den wesentlichen Entwurf. Nur hier, im Dasein in Müssen und Wählen von unten her, wird dieser maßgeblich, empfängt also der Vollzug von ihm sein Maß und erreicht darin das Ende als Maß des Anfangs.

[42] Jede geistige Produktion spiegelt diese Verhältnisse: sie ist bejahende Ausführung und Wiederholung eines innerlich gefaßten Vorentwurfs. Sofern man den Vorentwurf in sich selbst betrachtet, repräsentiert er sein Entworfenes und muß so nicht ausgeführt werden, seine Eindeutigkeit und Vollendung ruhen in sich selbst (Logik der Vertrautheit). Sofern man ihn aber als Vorentwurf, also aus seinem Sinn als Gesolltes her betrachtet, ist er das gemußte Maß der zuvor ungeschieden verborgenen, aber auf Entfaltung drängenden Fülle, er muß also umschlagen ins Ausführenmüssen unter dem Vorentwurf (Logik des Geschehens).