Botschaft: Kirchenbau

Der zweifache Sinn von Kirche*

Nun gibt es, mir scheint dies ein ganz wichtiger Leitfaden zu sein, zwei Grundstämme in den Sprachen unseres Abendlandes, die in das Wort „Kirche“ hineinragen: Einmal leitet sich das Wort „Kirche“ vom griechischen „Kyriake“ ab, zum anderen übersetzt es das griechische Wort „Ekklesia“. Die Alemannen, zu denen ich mich zähle, haben das miteinander verbunden; sie haben nämlich das Wort „Chille“, das sowohl von „Kyriake“, „Kirche“, wie auch von „Ekklesia“ her kommt und damit beide Dimensionen von Kirche in sich vereinigt. Ich meine, daß in der Tat die beiden Spuren „Kyriake“ und „Ekklesia“ Entscheidendes über die Kirche als Gemeinschaft, über die Kirche als Bau sagen. Eben dies ist es, was mich bewegt: Kirche als Kirchenbau verdankt sich einer Rückübersetzung der vom Aufbau glaubender Gemeinschaft gewonnenen Sakralität in die gebaute Sakrali- [13] tät, die nun aber nicht mehr eigene Sakralität ist, sondern auf die Gemeinschaft als Kirche bezogene, von ihr lebende und damit in die Nüchternheit des Alltags hineingebettete.

So möchte ich die Spuren weiterverfolgen, die auch in der klassischen Theologie von den beiden Ausdrücken „Kyriake“ und „Ekklesia“ her zum Kirchenbau führen. Welche sind diese? Bei „Kyriake“, „Kirche“ möchte ich auf folgendes hinweisen: „Kyriake“ heißt „dem Herrn gehörend“, also „bezogen auf Christus“. Die Kirche ist das, was dem Herrn gehört. Sie ist der Daseinsraum des Herrn, der Lebensraum Christi inmitten der Welt, der Gegenwartsraum Christi. Das ist der christologische Aspekt von Kirche.