Die Menschwerdung Jesu erschließt uns den Raum des dreifaltigen Gottes

Durch die Geschichte Israels und auch durch die über die Erde verstreuten ‚Samenkörner‘ des Wortes in den anderen Religionen hat sich Gott immer mehr den Menschen genähert. Mit der Menschwerdung Jesu hat sich etwas grundsätzlich Neues ereignet: Gott ist selbst einer von uns Menschen geworden.

Es ist anders als im Alten Bund. Dort hat Gott die Geschichte gelenkt und gewandelt, indem er von oben seine Hand ausstreckt, um den Menschen zu tragen und zu führen. Im Neuen Bund ist Gott selber dort, wo wir unsere Antwort zu geben haben. Das Schicksal Jesu ist Gottes Solidarität mit uns und seine Nähe zu uns, mitten im Raum unserer Erfahrung, genau an der Stelle unserer Ohnmacht.

Folglich hat sich die Position Gottes in der Religion verwandelt: Nicht Gott über uns, der uns in unser eigenes Nichts hinein drückt oder uns in sein eigenes Alles aufsaugt, sondern Gott über uns, der dem Gott antwortet und begegnet, der unter uns ist, der uns trägt, auffängt, annimmt: wir zwischen Gott und Gott.

Was den Gott über uns und den Gott unter uns eint, ist die unbedingte Liebe, ist die Kommunikation, ist der Heilige Geist. In diesem Geist ist Gott Wort und Ant-Wort zugleich.