Franz von Baaders Philosophischer Gedanke der Schöpfung

Eigenarten der Logik des Geschehens

Die Situation des Anfangs bestimmten Wollens konstituiert sich im Um­schlag der reinen Vertrautheit des Wollenden in sein Gegenübersein zu dem schon vertrauten Gehalt, der sich jetzt zur ebenso unumgänglichen wie freien Entscheidung anbietet.

Vertrautheit gibt sich als solche nur aus dem Umschlag her dem denkenden Zusehen zum Gegenstand. Der Umschlag selbst dagegen läßt sich vom Innen der Vertrautheit her nicht fassen, sein forderndes Entweder-Oder nicht von ihrer beruhigten Geschlossenheit in sich selbst. Erstaunen und Befrem­den angesichts des begegnenden Das sind nur von der vorgängigen Ver­trautheit mit seinem Was ermöglicht, würden aber nicht erstaunen und befremden, wenn sie nur Gestalt der sie ermöglichenden Geborgenheit wären. Alles, was in den Entscheid kommt, kommt zwar zu ihm aus und in der Vertrautheit, das Begegnende ist nichts anderes als das Vertraute, aber es ist anders als das Vertraute, und seine Andersheit läßt sich nicht aus dem Innen der Vertrautheit entwickeln.

Die immanente Logik des Vertrautseins versagt vor dem Eigenklang des Anrufs zum Entscheid. Wir können diesen nicht von der reinen Vertrautheit aus vernehmen – und vernehmen in ihm doch das, was in und aus der Vertrautheit uns ruft; der „zweite Kreis der Begegnung“ öffnet sich aus dem je geschlossenen der Vertrautheit und schließt sich wieder in ihm und darin – in neuer Weise – ihn selbst. So sind wir auf eine Logik verwiesen, die beide Kreise der Begegnung, die Vertrautsein und Umschlag in ihren einen Atem nimmt und ihren Ursprung in keinem von beiden hat, da sich der zweite in den ersten schlingt, aber nicht aus ihm allein ergibt. Wir sind auf diese Logik schon gestoßen: Damit das, was ich bin, seine Fülle ge­winne, muß es unableitbar umschlagen in meinen wiederholenden Vollzug; damit mein anfängliches Beimirsein zu sich komme, muß ich ihm entraten ins vollbringende Verhalten zu ihm. Es ist eine Logik nicht des ruhenden, sondern des geschehenden Wesens, die das erstere einbegreift, aber sich nicht aus ihm einfachhin herleitet: Geschehen und Geschichte als unableitbare Entfaltung des Wesens.

Solche Logik ist unverwechselbar anderer Art als die der zwingenden Vertrautheit, in welcher sich ein Schritt aus dem anderen ergibt, getragen von ihrem einen Boden ohne Bruch und Grenze. Die Logik, die aufs Ende des Vollzugs hin waltet, umspannt verschiedene Böden, und so ist ihr Müssen bisweilen gerade der Sprung.