Dienst aus dem Glauben – Dienst in der Kirche

Inklusive und exklusive Gemeinschaft

Gerade wenn das grenzenlose Sich-Verschenken Gottes Grund und Ziel der Kirche darstellt, wird offenbar, wie relativ Kirche ist. Gottes Geschenk gilt allen. Christi Sendung hat keine Grenzen. Schon der „historische Jesus“ hat sich nicht nur an wenige, sondern ans Volk Israel insgesamt gewendet. Die Dynamik seiner Botschaft macht schon in der frühesten Christenheit offenbar, daß die Dimensionen dieser Botschaft die Dimensionen der ganzen Menschheit sind. Die junge Gemeinde wurde zur Gemeinde aus scheinbar unüberbrückbaren Gegensätzen, zur Gemeinde aus Juden und Griechen. Aber – und auch das geht auf die ursprüngliche Dynamik derselben universalen Botschaft zurück – es entstand Gemeinde. Das Volk Israel oder die Menschheit konnte nur Horizont der Sendung Christi werden, indem Menschen aus ihrer freien Entscheidung dem Geschenk Gottes antworten, sich auf es einließen. Der universalen Botschaft antworteten: einzelne. Diese einzelnen aber, geeint durch den Herrn und seinen Geist, hineingebunden in die eine Sendung Christi, schlossen sich nicht in sich selbst; die Stoßrichtung ihrer Sendung blieb aufs Ganze, auf alle hin offen. Die wenigen, die exklusive Gemeinschaft der Glaubenden, die begrenzte Kirche sollte Zeichen, sollte Sakrament der neuen, der ganzen, der alle einbeziehenden, menschheitlichen Gemeinschaft mit Gott und in Gott sein. Wer die Kirchlichkeit des Glaubens annimmt, der nimmt das Ärgernis einer konkreten, endlichen Kirche in Kauf, er nimmt aber zugleich in Kauf, daß diese Kirche nie fertig, nie am Ende ist, sondern immer auf das Ganze, immer auf die Zukunft hin offen bleibt.