Volk Gottes auf dem Weg

„Modell“ für morgen

Doch ist diese Frage so wichtig zu nehmen? Immerhin, sie zieht die Christen und ihre Kirche hinein in die Diskussion. Und Stimme in der Diskussion zu sein, vielleicht ist das die faktisch einzige Gestalt von „Autorität“, die in der Gesellschaft akzeptiert wird. Und doch wird von der Kirche noch mehr, erwartet als bloß Meinung. Man erwartet von der Kirche „Modelle“. So wenig man von dem weiß, was nur der Glaubende als ihr Geheimnis wissen kann, so sicher ist man doch in der Erkenntnis des Einen, das ihr Wesen ausmacht: Kirche ist Liebe. Dieses Wort mag man nicht, aber was es meint, das erwartet, ja fordert man gerade auch von der Kirche. Wer sich durch Christus erlöst weiß, wer sich an seine Botschaft bindet, der ist glaubwürdig nur, sofern er die radikale Offenheit zum Mitmenschen lebt. Weil die Christen zu dieser Offenheit verpflichtet sind, deshalb blickt man nicht zuletzt auf sie: Werden sie das Modell der brüderlichen Menschheit von morgen und mit ihm den Impuls für den Weg in die Zukunft geben?