Musik als Liturgie – Liturgie als Musik

Musik als Konsonanz der Zeit

Konsonanz der Vielen in der erfüllten Einheit von Musik, zwischen Musizierenden und zwischen Musizierenden und Hörenden lebend, das spielt nicht allein in der Gleichzeitigkeit, sondern es hat auch eine geschichtliche Dimension. Musik als solche hat eine geschichtliche Dimension. So sehr sie im Jetzt lebt, so sehr sie Ereignis ist, so ursprünglich gehört es doch auch zu ihr, im Ereignis vor- und zurückzugreifen. Singen drängt zum Mitsingen, Singen drängt zum Weitersingen, zum Nachsingen. Wiederholung und Zugabe, Überlieferung gehören zu ihr. Gedächtnis und Phantasie, erinnernde und entwerfende Kraft gehören zur Musikalität als solcher. In jedem musikalischen „Stück“ waltet das Nacheinander und seine Verknüpfung, waltet die Beziehung, die sich zeitlich dreifältig in Melodie, Rhythmus und Harmonie auslegt. Harmonie als der Zusammenklang, Rhythmus als das zyklische Nacheinander, Melodie als die Verlaufszeit der Musik und der erfüllte Augenblick des jeweils Ganzen markieren die innere Zeitlichkeit des Musikalischen. Dem entspricht die äußere Zeitlichkeit, die stets eben die Momente der Interpretation (des Vorgegebenen), der Improvisation (des Jetzt) und der Antizipation (des Kommenden) vereint. Im Grenzfall verschmelzen Produktion und ihre eigene Interpretation, verschmelzen improvisatorische, kreative Kraft der Interpretation und ihre Treue, und im äußersten, eschatologischen Grenzfall verschmelzen das Einmal und das „Für immer“ im ewig neuen Lied.