Franz von Baaders Philosophischer Gedanke der Schöpfung

Natur und Person

Ist im Bedenken des „esoterischen Seins“ die Dreifaltigkeit des göttlichen Ursprungs in ihrem Verhältnis zu seiner Einheit auch gedeutet, so bleibt noch die Frage, was Baader das Recht gebe, innerhalb der Spekulation die Dreifaltigkeit als Drei-persönlichkeit zu verstehen1.

Personalität überhaupt vollbringt sich nach Baader als solche erst im „exoterischen“ Sein des Selbst, dieses aber wird durch die „Natur“ vermittelt, die als die zweite „selblose“ Bestimmung im geschehenden Selbst- [107] sein der „Idee“ korrespondiert und wie diese nicht konkurrierend der aktiven Dreifältigkeit des Ursprungs hinzugezählt werden kann.

Der dynamische „Ternar“ von Prinzip, Idee und Natur stellt nur den Inbegriff der – in Gott je schon vollendeten – Selbstkonstitution des Ursprungs als Gestalt dar und darf, für Baader, nicht mit dem personalen Ternar vermengt werden, als welcher der Ursprung ist und in seiner Gestalt ist2. Im Blick auf Gott sagt Baader daher: Die „Dreizahl“ (gemeint sind die drei Personen) gibt sich „nicht nur als die erste, sondern auch als die unteilbare (Prim-)Zahl, indem der Binarius“ (gemeint sind Idee und Natur) „nur die Bewegung der Monas zu dieser ersten Dreizahl ist und nicht etwa schon für die ersten zwei Personen zu nehmen oder zu zählen“3.

Am menschlichen Selbstsein bewährt sich Baaders Konzeption unmittelbar: Im bloßen Beimirsein sind die aktiven Momente des Ursprungs, der ich bin, zwar da, aber ich bin in ihrem Dasein für sich allein „selbstvergessen“, wie „abwesend“, nehme mich nicht an mich. Erst in meiner „Gestalt“ bin ich „als“ ich, somit aber „als“ Ursprung, als Person im Spiel. Ich muß „im Bilde“ sein und zu meinem Bild im Verhältnis stehen, um mich als ich selbst von allem anderen und in mir selbst zu „unterscheiden“; das „Ich bin“ ist als solches noch nicht vollzogen in der bloß formalen Anwesenheit der drei von ihm umspannten Ursprungsmomente.

Baader sagt daher vom esoterischen Sein Gottes - das freilich nie in sich allein „ist“, wie auch der Mensch durch sein Dasein immer schon das bloß Esoterische überschritten hat – : „In diesem tiefsten Mysterium der Gottheit ist aber nach Jacob Boehme der heilige Ternar nur in potentia oder essential und tritt nur erst durch das Medium der ewigen Natur (Begierde) in actum als personaliter (in essentia unitas, in personis proprietas).“4


  1. Vgl. z. B. SpD 1,7 VIII 73; Hegel IX 416. - Baader gesteht die Abhängigkeit der Aussage des dreipersönlichen Gottes von der positiven „Kunde“ (vgl. RPh 26 I 220,221 Anm.; FC 5,24 II 356; MM 3 XIII 171 f.) der christichen Offenbarung und die letzte Unauflöslichkeit des Mysteriums zu (siehe Hegel IX 416), wagt im Versuch der denkenden Anverwandlung indessen den Satz: „Deum trinum esse non creditur, sed scitur“ (SpD 1,7 VIII 71), auf dessen theologische Problematik hier nicht eingegangen werden soll. ↩︎

  2. Vgl. FC 3,5 II 247 f.; X 121. ↩︎

  3. IV 314. ↩︎

  4. SpD 4,16 II 305. ↩︎