Antworten zum Fragekatalog für das Projekt „Judentum im katholischen Religionsunterricht“

Revidierte Bibelausgaben?*

Die „Vatikanischen Richtlinien und Hinweise für die Durchführung der Konzilserklärung ‚Nostra aetate‘, Art. 4“ verlangen für eine zeitgemäße Verkündigung angesichts des christlich-jüdischen Dialogs von den „mit der Übersetzung biblischer Texte beauftragten Kommissionen ... besondere Aufmerksamkeit ..., auf welche Weise ganze Ausdrücke und ganze Abschnitte, die von ungenügend unterrichteten Christen tendenziös mißverstanden werden könnten, wiederzugeben sind“. Als Beispiele werden genannt:

„So bedeutet der Ausdruck ‚die Juden‘ im Johannesevangelium im Kontext bisweilen ‚die Führer der Juden‘ oder ‚die Feinde Jesu‘ – diese Ausdrücke sind eine bessere Übersetzung des Gedankens des Evangelisten, wobei der Anschein vermieden wird, als sei hier das jüdische Volk als solches gemeint. Ein anderes Beispiel ist der Gebrauch der Worte ‚Pharisäer‘ und ‚Pharisäismus‘, die heute einen durchaus pejorativen Klang haben.“

Wieweit kann die Umschrift des neutestamentlichen Textes bzw. seiner Aussagen ohne Verlust des christlichen Propriums gehen? Können Sie uns einige weitere Beispiele nennen, die für eine zeitgemäße Vermittlung des Christlichen angesichts des christlich-jüdischen Dialogs zu beachten sind?

Eine gemäße Übersetzung kann viel leisten, um falsche Meinungen auszuräumen. Dies weiter auszuführen, sprengte hier den Rahmen. Freilich würde ich in nicht wenigen Fällen dafür plädieren, den „Anstoß“ einer wörtlichen Übersetzung sprachlich zu belassen und eine Erklärung als Anmerkung hinzuzufügen, die Mißverständnisse ausräumt und geschichtlich aufarbeiten hilft. Dies ist mitunter hilfreicher, um Fehlinterpretationen und Fehlentwicklungen [150] der Vergangenheit aufzuarbeiten, als die bloße Glättung, die den Anstoß kaschiert und das Leidvolle der Geschichte nicht mehr in den Blick kommen läßt.