Jugendarbeit aus dem Evangelium

Schritt: Grundvollzüge von Gemeinschaft

Damit sich anthropologisch einlöst, was in den Grunddimensionen der Gemeinschaft aus der Nachfolge angelegt ist, muß darauf geachtet werden, daß es in jeder Gemeinschaft immer wieder zu drei Grundvollzügen kommt:

a) Die Erfahrung des Geschenks. Freude, Feier, zweckloses Beisammensein, in dem einfach die Gemeinschaft selber, die Welt, die man erfährt, die Musik, die man macht, das Wort, das man hört, sich von sich her aufschließen, ohne daß man etwas Bestimmtes damit will – nur dies ist die Alternative gegen unsere verzweckte Gesellschaftlichkeit, eine Alternative, die aber selbst nicht nur als Kraftfutter für neues Funktionieren verstanden werden darf, sondern deren Endstation Dank und Freude sein dürfen, Dank und Freude, die dann, wenn sie Liebe sind, ohnehin über sich hinausschlagen.

b) Begegnung und Entscheidung gehören dazu, damit das Geschenk wirklich etwas schenkt und wirklich ankommt. Ich soll zu mir selber und soll zum anderen finden, ich soll [153] über mich hinausfinden. Und der Prozeß der Gruppe, das Tun der Gruppe muß so angelegt sein, muß so auch immer wieder zu seinem Thema, zu seiner Sache durchstoßen, damit dies möglich ist. Es wäre verhängnisvoll, der früheren Gefahr einer bloß thema- und sachbezogenen Arbeit nunmehr nur die Selbstthematisierung des einzelnen oder der Gruppe folgen zu lassen.

Um an Martin Buber kritisch und im Grunde doch bestätigend anzuknüpfen: Es geht nicht darum, nur das Grundwort Ich-Es oder das Grundwort Ich-Du einzuüben, beides verbindet sich und entkrampft sich nur durch das Dreiecksverhältnis Ich-Du-Es.

c) Gruppe kann aber nie leben, Gemeinschaft nie in sich gesund sein ohne Aufgabe und Dienst. Zumindest die Befähigung zu Aufgabe und Dienst, das Sehen von Aufgabe und Dienst gehören dazu. Innenbezug ohne Außenbezug, Innarchitektur ohne Mauern, die auch nach außen hin stabil sind, das bräche in sich zusammen. Reflektierte Gruppe muß also, richtig verstanden, immer zur missionarischen, will sagen zur diakonischen, dienenden Gruppe werden. Zuletzt und zuhöchst geht es doch darum, daß der in der Mitte sei, der sich hingegeben hat für die vielen.