Zur Entwicklung der nachkonziliaren Räte in der Bundesrepublik

Verhältnis kirchlicher und gesellschaftlicher Strukturen

Kirche hat, der Sendung und dem Auftrag Jesu gemäß, ihren Ort inmitten der Geschichte, inmitten der Gesellschaft; daher wird sie stets auch selbst in gesellschaftlicher Form existieren, die sich – wie die Geschichte zeigt – mit der Entwicklung der Gesellschaft in vielen ihrer Elemente mit verändert. Genauso gilt aber das andere: Kirche ist nicht nur eingebunden in die Gesellschaft und in ihre Entwicklung, lebt ihren Bezug zur Gesellschaft also nicht nur in einer Anpassung an sie, sondern steht auch kraft ihres prophetischen Auftrages in einer kritischen Distanz zu ihr. Noch ein Drittes gilt: Kirche ist nicht nur zugleich abhängig von gesellschaftlicher Entwicklung und kritisch ihr gegenüber, sondern sie hat auch in ihrer gesellschaftlichen Verfaßtheit ihr je unaufgebbar eigenes Maß und ihre je unaufgebbare eigene Sendung, die sich strukturell auswirken. Bei all den vielartigen Modellen des gemeindlichen Lebens und seiner Verfassung, deren Spuren uns im Neuen Testament hinterlassen sind, fällt doch auf, daß die Gemeinden ihre Ämter und Dienste gerade nicht an politische Vorbilder an- [25] lehnten, sondern für die Vollmacht, die in ihnen gilt und wirkt, andere Namen als jene verwenden, die im Kontext politischer Macht stehen.

Aus diesen Elementen heraus muß eine gegenwärtige Antwort auf die Frage gesucht werden, in welchem Sinn und in welchem Maß kirchliche Strukturen denen der Gesellschaft angepaßt werden, in welchem Sinn und welchem Maß sie von ihnen unterschieden bleiben müssen, können und sollen, damit die Kirche ebenso ihre Präsenz in der Gesellschaft wie ihrer nicht in der Gesellschaft aufgehenden Sendung und Botschaft für diese gerecht wird.