Aufgabe der Universalität – Aufgabe der Identität

Verlust von Zukunft – Krise der Freiheit*

Wenn aber in einer bloß noch funktionalen Gegenwart, die keine mehr ist, Gegenwart selber und Vergangenheit verschlungen sind, dann hat sich auch die Zukunft eingeebnet. Dann findet Zukunft nicht mehr als Zukunft statt, sondern als das Vorausberechnetsein des Kommenden in der Gegenwart. Oder umgekehrt als die radikale Angst vor dem Kommenden, vor dem es kein Entrinnen, zu dem hin es keine Freiheit, für das es keine Gestaltungskraft mehr gibt. Zukunft entweder nur die Selbstverständlichkeit dessen, was schon gelaufen ist – oder aber das nur Entzogene, das in pure Angst vor seiner radikalen Unsicherheit stürzt. Wo alles möglich ist oder die ganze Zukunft sicher ist, da ist das Leben unendlich langweilig, so daß in der formal größten Freiheit die schrecklichste Unfreiheit beklagt und erfahren wird. Solche Zukunftslosigkeit, der Zwang also, das im Ansatz je schon Fertige herzustellen, treibt Menschen in Verzweiflung und Protest, die viele nicht verstehen können, weil sie sagen: Was fehlt dir eigentlich? Du hast doch alles, alles steht dir zur Verfügung! Oder aber das Erschrecken davor greift um sich, daß nicht mehr alles zu machen ist, daß die realen Möglichkeiten, Zukunft herzustellen und zu sichern, fehlen – Antwort ist die Panik, die glaubt, Zukunft hat keinen Sinn mehr.