Volk Gottes auf dem Weg

Weltauftrag des Laien

Daraus folgt aber ein Weiteres: Die Kirche, die wir sind, vereinigt in sich verschiedene Funktionen, verschiedene Gaben auch für den Dienst an der Welt. Der Laie, der in Gesellschaft, Familie, Kultur, Arbeit, Wirtschaft und Politik innesteht, hat diesen seinen Auftrag als Auftrag Christi nicht „neben“ seinem Christsein. Indem er seinen menschlichen, partnerschaftlichen Anteil in diesen Bereichen vollbringt, vollbringt er zugleich die Weggenossenschaft Jesu und seiner Kirche mit allen Menschen in der Welt. Gewiß ist er verwiesen auf die Botschaft Jesu und somit auch auf den Dienst des kirchlichen Amtes an dieser Botschaft. Aber er ist nicht bloß Sprachrohr und Ausführungsorgan, sondern er hat für die Anwendung des Wortes Gottes auf die konkrete Situation und für das Finden der sachge­rechten und menschengerechten Lösung der welthaften Probleme seine eigene Gabe, seinen eigenen Auftrag, sein eigenes Licht. Freilich gilt auch hier wiederum: Wenn er sie nicht einbringt in die Einheit und Gemeinschaft der Liebe in der Kirche, droht seine Gabe zu vertrocknen und sich zu entleeren.

Die Kirche hat also nicht eigene Interessen in der Welt zu verfolgen, sondern der Welt das Zeugnis ihres Dienstes zu leisten. Dieser Dienst ist zum einen Dienst des Wortes, das die Kirche der Welt schuldet, weil der Herr es für die Welt ihr aufgetragen hat. Er ist zum andern aber, auf Grund desselben Wortes, Dienst brüderlicher Solidarität mit allem Menschlichen und allen Menschen. Die Kirche tut diesen Dienst, indem jene ihn tun, die durch ihr Leben, ihre Be- [31] dingungen, ihren Beruf mitten in der Welt stehen. Dies ist der Weltauftrag des Laien.

Der Dienst der Kirche an der Welt wird in solchem Verständnis weniger dazu führen, daß eine „Christliche Kultur“ neben der Kultur dieser Welt, daß „sakrale“ Bereiche neben „profanen“ ausgestaltet werden, als vielmehr dazu, daß die Christen einen lebendigeren Anteil an der Mitgestaltung des Antlitzes der Erde in offener Partnerschaft mit allen anderen Menschen suchen und gewinnen. Vielleicht wird dieser sehr unauffällige, „welthafte“ Weltdienst gleichwohl ein tieferes Zeugnis für den Glauben ablegen können; denn solche Haltung entspricht der dienenden und verborgenen Haltung des Herrn der Kirche, da letztlich allein das wirken kann, was zum Heil der Menschen und der Welt führt.